Daten vom ifo-Institut – BVL Vorstandsvorsitzender Kai Althoff kommentiert
Die Quartalszahlen des vom ifo-Institut für die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. erhobenen Logistik-Indikators sind da. Kai Althoff, Vorstandsvorsitzender der BVL und CEO 4flow SE, kommentiert die Q2-Werte:
„Nach dem eher neutralen Ergebnis des Logistikindikators in Q1 steht die Logistikwirtschaft im zweiten Quartal 2026 wieder stärker im Gegenwind. Der anhaltende Irankonflikt und die damit einhergehenden Belastungen der globalen Lieferketten wirken sich negativ auf die Stimmung in der Logistikbranche aus. In Q1 war dies noch nicht in die Zahlen eingegangen. Diese sehen für Q2 wie folgt aus: Die Geschäftslage fällt in Q2/2026 auf 82,3 (nach 83,7 in Q1/2026), also um 1,4 Punkte. Das ist kein Einbruch, aber ein klares Signal, dass die Stabilisierung aus dem Jahresauftakt nicht automatisch weiterträgt. Wesentlicher ist die Entwicklung bei den Geschäftserwartungen: Sie rutschen von 87,6 in Q1/2026 auf 80,3 in Q2/2026, was ein großes Minus von 7,3 Punkten ist. Auch das Geschäftsklima sinkt deutlich von 85,6 auf 81,3 (-4,3 Punkte).
Verlader und Dienstleister bewerten die Situation bezüglich Geschäftserwartung und Geschäftsklima ähnlich. Bei der Geschäftslage gibt es einen klaren Unterschied: Bei den Verladern ist diese stabil und sogar 1 Punkt höher als in Q1, während sie bei den Dienstleistern im Quartalsvergleich stark um 4 Punkte zurückgegangen ist. Hier zeigt sich die Rollenverteilung in den Lieferketten deutlich und dass die Dienstleister es schaffen, erfolgreich Risiken für ihre Kunden zu mitigieren.
Ein detaillierter Blick auf Monatsebene zeigt, dass die Negativentwicklung in allen drei Kategorien bereits in den Monaten März und April stattgefunden hat. Im Mai haben sich die Zahlen im Vergleich zum April mit einem leicht positiven Trend wieder stabilisiert. Die Logistikbranche entwickelt sich damit derzeit im Einklang mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex, der in den letzten drei Monaten in allen drei Kategorien eine ähnliche Entwicklung genommen hat. Einmal mehr zeigt sich in den letzten Monaten die Abhängigkeit der Logistikbranche und der deutschen Wirtschaft in Summe von der geopolitischen Weltlage.
Ob ein Kompromiss zwischen den USA und Iran bald kommt und wie dieser sich u.a. auf den Verkehr in der Straße von Hormus auswirkt, ist nicht vorhersehbar. Da wir diese Umstände nicht beeinflussen können, muss unser Fokus weiterhin darauf liegen, unsere Lieferketten resilient und flexibel zu gestalten, um auf sich ändernde Bedingungen schnell reagieren zu können.“
Über den Logistik-Indikator
Der Logistik-Indikator wird vom ifo Institut im Auftrag der BVL berechnet. Er geht aus den monatlichen Konjunkturumfragen für den Zeitraum ab 2005 hervor. Zur Ermittlung des Indikators werden mehr als 4.000 Antworten von Anbietern von Logistikleistungen (60 Prozent Güterverkehr (ohne Luftfracht); 40 Prozent Speditionen und Logistik) bzw. von Unternehmen aus den Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes (66 Prozent) und des Handels (Großhandel: 17 Prozent; Einzelhandel: 17 Prozent) als Anwender von Logistikleistungen herangezogen. Der Gesamtindikator wird zu gleichen Teilen aus den Ergebnissen der Anbieter und der Anwender berechnet.
Text: Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V.
