Zeitarbeitsquote gestiegen? Diese Lesart legen aktuelle Mikrozensus-Ergebnisse nahe – sie trägt aber nicht. Das Statistische Bundesamt berichtet über einen leichten Anstieg des Beschäftigungsanteils der Zeitarbeit von 1,8 auf 2,0 Prozent zwischen 2015 und 2025. Aus Sicht des Gesamtverbandes der Personaldienstleister (GVP) lässt sich diese Schlussfolgerung jedoch nicht belastbar ziehen. Die für Zeitarbeit verfügbaren Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit zeigen vielmehr einen deutlichen Rückgang der Zeitarbeitsquote.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat am 13. August 2026 Ergebnisse des Mikrozensus zur sogenannten atypischen Beschäftigung veröffentlicht, wozu auch die Zeitarbeit gezählt wird. Die atypische Beschäftigung geht demnach insgesamt zurück – von 20,8 Prozent (2015) auf 17,2 Prozent (2025). Für die Zeitarbeit weist die Auswertung dagegen einen leichten Anstieg von 1,8 Prozent auf 2,0 Prozent aus.
Dies spiegelt jedoch die tatsächliche Entwicklung der Zeitarbeit nicht angemessen wider.
„Die Aussage, der Beschäftigungsanteil der Zeitarbeit sei in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, entspricht nicht dem Bild der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Für die Zeitarbeit liegt mit den Daten der BA eine Vollerhebung vor. Diese zeigt einen deutlichen Rückgang der Zeitarbeitsquote von 2,9 auf 1,8 Prozent. Deshalb muss die Entwicklung der Branche auf Basis dieser Daten bewertet werden“, erklärt Florian Swyter, GVP-Hauptgeschäftsführer.
Hintergrund ist, dass die von Destatis verwendeten Angaben aus dem Mikrozensus stammen. Dabei handelt es sich um eine jährliche Stichprobenbefragung von rund 1 Prozent der Bevölkerung. Die Ergebnisse werden hochgerechnet und beruhen auf Selbstauskünften. Zugleich weist das Statistische Bundesamt selbst darauf hin, dass durch die Neugestaltung des Mikrozensus im Jahr 2020 die Ergebnisse nur eingeschränkt mit früheren Jahren vergleichbar sind.
Für die Zeitarbeit liegen dagegen vollständige Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit aus dem Meldeverfahren zur Sozialversicherung vor. Sie erfasst jedes einzelne Beschäftigungsverhältnis, und ihr Befund ist eindeutig: Der Anteil der Zeitarbeit an der sozialversicherungspflichtigen Gesamtbeschäftigung ist von 2,9 Prozent im Juni 2015 auf 1,8 Prozent im Juni 2025 gefallen.
Das Bild ist damit klar: Die Zeitarbeit wächst nicht, sondern ging bedauerlicherweise sogar zurück. Als konjunktureller Frühindikator reagiert sie besonders früh auf die wirtschaftliche (schlechte) Lage. Wer die Entwicklung der Zeitarbeit also beurteilen will, findet in der Vollerhebung der Bundesagentur für Arbeit die verlässlichere Datengrundlage.
Text: Gesamtverband der Personaldienstleister e. V. (GVP)
