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Gesetz bremst Pharma-Produktion

by Hendrik Zech
  • Deutlicher Produktionsrückgang in der Pharma-Industrie
  • vfa ist pessimistisch bei Konjunkturaussichten

Die Produktion der Pharmaindustrie in Deutschland wird im kommenden Jahr deutlich zurückgehen. Der vfa rechnet in seiner Herbstprognose mit einem Minus von 2,9 Prozent. Für 2024 erwartet er nur ein leichtes Produktionsplus von 0,3 Prozent. Im laufenden Jahr ist mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent zu rechnen.

Insgesamt wird Deutschland in eine Rezession rutschen. Für die Gesamtwirtschaft geht der vfa für 2023 von einem Minus von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. 2024 dürfte die Wirtschaft dann wieder um 1,3 Prozent wachsen. Die vfa-Prognose bleibt damit deutlich hinter dem Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zurück. Diese erwarten für das kommende Jahr ein Minus von 0,4 Prozent und für 2024 ein Plus von 1,9 Prozent.

Hauptgründe für die düsteren Konjunkturaussichten sind die hohe Inflation, die weiterhin bestehenden Lieferengpässe und die explodierenden Energiekosten. „Diese spiegeln sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette in den steigenden Produktionskosten wider“, sagt Dr. Claus Michelsen, Chefvolkswirt des vfa. Darunter leidet die Pharmaindustrie besonders. „Während die Industrie insgesamt die Kostenschübe häufig als Preisaufschläge an die Abnehmer weitreichen kann, ist das in der Pharmabranche aufgrund der regulierten Arzneimittelpreise nur sehr begrenzt möglich.“ So stiegen die Absatzpreise bei Pharma im Inland zuletzt nur um zwei Prozent, die der Industrie insgesamt dagegen um 15 Prozent. Auch im kommenden Jahr fällt die allgemeine Preissteigerung deutlich kräftiger aus, als die der Arzneimittelpreise.

Die Auswirkungen des jetzt beschlossenen Gesetzes zur Stabilisierung der GKV-Finanzen schwächt die Branche zusätzlich. „Dieses Gesetz ändert die Geschäftsgrundlage der pharmazeutischen Industrie in Deutschland grundlegend“, so Han Steutel, Präsident des vfa. So resultieren alleine aus dem sogenannten Herstellerrabatt zusätzliche Belastungen von 1,3 Milliarden Euro für 2023. Hinzu kommen gravierende Eingriffe in das Erstattungssystem. Dies verstärkt den Kostendruck und hat unmittelbar negative Konsequenzen für die Investitionstätigkeit.

Steutel warnt vor den Folgen: „Die Politik sucht händeringend nach Innovations- und Wachstumstreibern für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Eine jetzt noch stabile Branche – zudem mit großem Potenzial – massiv zu schwächen ist grob fahrlässig und widerspricht jedem ökonomischen Sachverstand.“

 Text: Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (vfa)

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