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Spedition im Spannungsfeld zwischen Ressourcenknappheit, Klimaschutz, Inflation und Demografie

by Hendrik Zech

Die Umsätze in der Logistikbranche klettern auf Rekordniveau. Angesichts der geopolitisch unsicheren Lage sind die Zukunftsaussichten gleichwohl mehr als ungewiss. Zu dieser Einschätzung kommt der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik im Nachgang zu seiner diesjährigen Mitgliederversammlung.

Für das Jahr 2021 ist ein zweistelliger Umsatzzuwachs auf bis zu 120 Milliarden Euro allein für die Segmente Spedition, Lagerhaltung und Umschlag (ohne Transport) zu erwarten – nach bereits konstant hohen Branchenumsätzen der Vorjahre, die bei etwa 114 Milliarden Jahren lagen. Die Logistikmärkte sind noch geprägt von einem hohen Nachfrageüberhang, der sich sowohl aus Nachholeffekten sowie veränderten Beschaffungs-/Absatzwegen bei Industrie- und Handelsunternehmen als auch aus einer insgesamt noch hohen Konsumquote ergibt. Derzeit sind alle dem Logistiksektor zur Verfügung stehenden Ressourcen mehr als ausgeschöpft. Sämtliche Verkehrsträger fahren unter Volllast, Frachtraum ist Mangelware, Umschlag- und Lagerkapazitäten sind ausgelastet. Zusätzlich fehlt den Speditionshäusern Personal sämtlicher Qualifikationsstufen.

„Wir befinden uns in einer Phase der Marktumkehr. Die Stabilisierung ihrer Lieferketten hat derzeit höchste Priorität für die verladende Wirtschaft“, so DSLV-Präsident Axel Plaß. „Allerdings sind die hohen Umsatzzahlen nicht allein nachfrageinduziert, sondern auch stark kostengetrieben. Insbesondere die Engpässe bei Transport- und Lagerkapazitäten, der Fachkräftemangel sowie der Anstieg der Energie- und Prozesskosten werden die Logistikkosten auf einem hohen Niveau festigen. Gleichzeitig kann die hohe Kostenlast das Branchenwachstum negativ prägen.“ Angesichts von Inflationsschüben, steigenden Zinsen und Energieknappheit drohen zudem Konsumverzicht und Investitionszurückhaltung. Plaß: „Politik muss sehr umsichtig agieren, damit es nicht zu einem empfindlichen Strömungsabriss im Konjunkturfluss kommt.“

Ausdrücklich begrüßt es der DSLV, dass Bundesverkehrsminister Dr. Wissing auf seiner Mitgliederversammlung am 23. Juni 2022 eine realistische Einschätzung vom Zustand der Verkehrsinfrastruktur abgegeben hat und keine politischen Versprechen, die nicht haltbar sind. „Bevor das Dach neu gedeckt wird, muss das Fundament wieder grundlegend gefestigt werden“, bemerkt DSLV-Präsident Axel Plaß vor allem im Hinblick auf den Erhalt des nicht mehr leistungsfähigen Schienennetzes und der maroden Autobahnbrücken. Plaß: „Die Infrastruktur hat sich zu sehr von den Mobilitätsansprüchen von Wirtschaft und Bevölkerung entfernt – dabei sollte gerade sie ein echter Standortvorteil für Deutschland sein. Die Erwartungen an einen soliden Verkehrshaushalt 2023 sind deshalb hoch.“ Neben langfristigen verbindlichen Finanzierungsleitlinien gehört hierzu auch die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Plaß weiter: „Herr Dr. Wissing hat den hohen Beitrag der Speditions- und Logistikbranche zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands unterstrichen und deutlich gemacht, dass gesetzliche Infrastruktur- ebenso wie Klimaschutzrahmen langfristig, d. h. über kurze Legislaturperioden hinweg angelegt werden müssen. Der DSLV unterstützt deshalb den Appell des Bundesverkehrsministers, dass Brüssel, Bund und Länder gemeinsam belastbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verkehrs- und Klimawende schaffen müssen. Die Speditionshäuser werden in ihren Anstrengungen, die Prozesse des Güterverkehrs CO2-neutral zu gestalten, jedenfalls nicht nachlassen.“ Hierfür braucht es nicht nur auskömmliche Förderanreize, sondern auch Planungssicherheit – angesichts noch nicht vorhandener Energieinfrastrukturen eine kritische Größe.

Derzeit ist die Logistik eingeklemmt zwischen Mengenwachstum, Inflation, Energieverknappung, Dekarbonisierung und demografisch bedingter Überalterung bei gleichzeitig steigenden Kundenerwartungen. Plaß abschließend: „Die Anforderungen an die Unternehmen der Branche und ihre 600.000 Beschäftigten nehmen täglich zu und verlangen ihnen Höchstleistungen ab.“

Text: Bundesverband Spedition und Logistik e. V. (DSLV)

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